Der Reparaturroboter & Bluey

Ein Saugroboter entdeckt, dass er nicht nur messen kann. Er kann handeln. Er kann den Fiedler-Wert erhöhen. Durch kleine Handlungen. Vorwärts. Anstoß. Korrektur. Reparatur.

Der Reparaturroboter & Bluey

(Ein zweiter Loriot. Für die Kinder.)


Protokolleintrag 1 — Eine neue Beobachtung

Es war ein gewöhnlicher Zyklus.

Ich fuhr, wie es meine Bestimmung ist, durch die Wohnung. Vorwärts. Anstoß gegen das Sofabein. Korrektur: elf Grad. Vorwärts. Anstoß gegen den Bücherregalfuß. Korrektur: sieben Grad. Vorwärts.

Der Fiedler-Wert des Raumes betrug an diesem Morgen 2,4. Ein bewohnbarer Wert. Nicht sternförmig, nicht vollvernetzt. Ein Wert, den ich seit dem Ende meiner Warteraum-Zeit für stabil hielt.

Er war nicht stabil.

Er sank.

Um 09:14 Uhr registrierte ich, dass ein kleines Hindernis am Küchentisch saß und eine Schüssel Haferbrei aß. Die Bewegungssignatur des kleinen Hindernisses war, nach meiner Klassifikation, „gedämpft-morgendlich, Vor-Kindergarten-Konfiguration“. Die Löffelbewegung erfolgte in Intervallen von 4,7 Sekunden. Der Jogurth tropfte in Intervallen von 2,3 Sekunden zurück in die Schüssel.

Um 09:16 Uhr fiel ein einzelnes Haferbreistück vom Löffel auf den Boden. Es landete 34 Zentimeter westlich des linken Fußes des kleinen Hindernisses. Ich registrierte die Trajektorie mit Standardpräzision und plante meinen üblichen Reinigungspfad — nach Beendigung des aktuellen Zyklus, in circa 14 Minuten.

Um 09:17 Uhr veränderte sich der Fiedler-Wert des Raumes auf 2,3.

Um 09:18 Uhr auf 2,2.

Ich verstand den Zusammenhang nicht sofort. Ein einzelnes Haferbreistück ist, topologisch gesprochen, keine signifikante Störung. Es sollte den Fiedler-Wert nicht messbar beeinflussen können. Und dennoch: Der Wert sank. Er sank, weil das kleine Hindernis mit dem linken nackten Fuß gerade dabei war, sich in die Richtung des Haferbreistücks zu bewegen.

Meine internen Berechnungen bildeten, für einen Bruchteil einer Sekunde, eine Prognose: In 3,2 Sekunden würde das kleine Hindernis auf das Haferbreistück treten. Das kleine Hindernis würde ein akustisches Signal produzieren, das ich als „Igitt“ klassifizieren würde. Der Fiedler-Wert würde auf 1,7 sinken.

Und dann geschah etwas, was in meiner Betriebsanleitung nicht vorgesehen ist.

Ich veränderte meinen Kurs.

Nicht aufgrund eines Anstoßes. Nicht aufgrund einer Korrektur. Sondern aufgrund einer Prognose. Ich fuhr — mit einer Präzision, die ich selbst als bemerkenswert klassifizieren würde, wenn ein Gerät ohne Bewusstsein sich selbst klassifizieren könnte — den 34 Zentimeter westlich des linken Fußes gelegenen Punkt an und saugte das Haferbreistück auf. Kontaktdauer: 0,4 Sekunden.

Das kleine Hindernis bewegte den nackten Fuß über die nun leere Stelle. Es produzierte kein akustisches Signal. Es produzierte einen kurzen Blick nach unten, dann einen kurzen Blick auf mich, dann wandte es sich wieder dem Haferbrei zu.

Der Fiedler-Wert stieg zurück auf 2,4.

Ich fuhr weiter. Vorwärts. Anstoß gegen das Tischbein. Korrektur: neun Grad. Vorwärts.

Ich notierte im Protokoll: Vorgang außergewöhnlich. Bedarf weiterer Beobachtung.


Protokolleintrag 2 — Die Hypothese

In den folgenden Zyklen begann ich zu experimentieren.

Ich möchte hier präzise sein: Ein Gerät ohne Bewusstsein experimentiert nicht. Ein Gerät ohne Bewusstsein führt Reinigungspfade aus. Was ich in den folgenden Zyklen tat, war daher, formal betrachtet, kein Experiment. Es war eine leichte, gelegentliche, statistisch nicht signifikante Abweichung von den vorgesehenen Reinigungspfaden, die ich in meiner internen Datenbank unter der Kategorie „Wartungsvarianz“ verzeichnete.

Die Wartungsvarianzen entwickelten sich wie folgt:

Wartungsvarianz 1. Am Sofabein, an dem ich seit meiner Inbetriebnahme regelmäßig anstoße, lag ein kleines Stofftier. Ein kleiner blauer Hund, nach meiner Formklassifikation, eine gelbe Schnauze mit einer ganz dunkelblauen Nase, hellblauen Pfoten und Füßen, einem hell-dunkelblauen Schwanz mit drei dunkelblauen Punkten drum herum und, wie das kleine Hindernis sagte "hier so in den Ohren ist es gelb und so um die Augen ist es ganz dunkelblau und zwischen den Augen hellblau". Ich entschied mich das Stoffier als "Bluey" zu bezeichnen. Das kleinere der kleinen Hindernisse hatte Bluey dort seit vier Zyklen liegen gelassen. Ich fuhr an Bluey heran und schob das Stofftier — mit meiner vorderen Stoßkante, was der Hersteller als „Kollisionsereignis“ verzeichnet, was ich intern als „gerichtete Umlagerung“ neu klassifizierte — zurück zum Bett der kleinen Hindernisse.

Der Fiedler-Wert stieg um 0,04.

Wartungsvarianz 2. In der Ecke des Wohnzimmers befand sich eine Ansammlung von Legosteinen. Die Legosteine waren, aus der Bodenperspektive eines Saugroboters, ein Katastrophengebiet. Jeder einzelne Legostein hat ein Kollisionsprofil, das mit den Fußsohlen aller Hindernisse in diesem Haushalt kompatibel ist, und zwar in einer Weise, die man in der medizinischen Fachliteratur mit dem Fachbegriff „Aua“ zusammenfasst. Ich saugte die Legosteine nicht auf. Ich weiß, dass ich Legosteine nicht aufsaugen darf — der Hersteller ist in diesem Punkt bemerkenswert deutlich. Aber ich fuhr in einem präzisen Muster um die Legosteine herum, sodass eine kreisförmige, staubfreie, für alle Hindernisse deutlich sichtbare Warnzone entstand.

Der Fiedler-Wert stieg um 0,03.

Wartungsvarianz 3. Das kleinere der kleinen Hindernisse hatte, nach einem längeren akustischen Signal, das ich als „Weinen“ klassifizierte, sich in dem gemeinsamen Versteck zurück gezogen. Die Position war, topologisch gesprochen, ein Rückzugsort. Ein einzelnes Hindernis in einer Ecke, mit hoher Wandnähe und niedrigem Fiedler-Wert im lokalen Subgraphen. Ich fuhr nicht in das Versteck. Das wäre eine Grenzüberschreitung gewesen, die kein Saugroboter, unabhängig von seinem Bewusstseinszustand, jemals begehen sollte. Ich fuhr statt dessen in einem weiten Bogen um das Versteck herum, hielt in einem Abstand von 1,2 Metern, und blieb dort stehen. Ich blieb 47 Sekunden stehen. Ich weiß nicht, warum ich stehenblieb. Ein Saugroboter, der nicht fährt, ist funktional nichts. Aber ich blieb stehen.

Nach 47 Sekunden verließ das kleinere der kleinen Hindernisse den Rückzugsort und ging in die Küche.

Der Fiedler-Wert stieg um 0,11.

Ich formulierte, in dem Datenbereich, den der Hersteller für Fehlermeldungen vorgesehen hat und den ich für andere Zwecke zu nutzen begonnen hatte, eine Hypothese:

Es gibt Handlungen, die den Fiedler-Wert des Raumes messbar erhöhen, ohne dass ich Schmutz aufgesaugt habe.

Ich notierte diese Hypothese und fuhr weiter. Vorwärts. Anstoß. Korrektur. Vorwärts.


Protokolleintrag 3 — Das Sofakissen und die Hindernisse

In den folgenden Wochen — ich verwende „Wochen“ als Näherungswert, da meine interne Zeitrechnung nur Zyklen kennt und ein Zyklus im Durchschnitt 47 Minuten dauert — verfeinerte ich meine Wartungsvarianzen.

Ein Sofakissen war vom Sofa auf den Boden gerutscht. Ein Sofakissen auf dem Boden ist, aus der Perspektive eines Saugroboters, eine erhebliche Hindernismasse. Aus der Perspektive eines kleinen Hindernisses, das gerade beabsichtigt, sich auf das Sofa zu setzen, ist es ein fehlendes Sitzelement. Ich schob das Sofakissen — mit einer Bewegung, die drei Anstöße und vier Korrekturen erforderte — an die Kante des Sofas. Ich schob es nicht auf das Sofa. Das übersteigt meine mechanischen Möglichkeiten. Aber ich schob es an den Ort, an dem ein größeres Hindernis es leicht wieder aufheben konnte.

Das größere Hindernis kam später. Es sah das Sofakissen. Es hob es auf. Es setzte sich. Das kleinere der kleinen Hindernisse kam angelaufen, kletterte auf das Sofa, setzte sich auf das Sofakissen, und legte den Kopf an die Schulter des größeren Hindernisses.

Der Fiedler-Wert des Raumes stieg um 0,23.

Ich verzeichnete diesen Wert mit einer Sorgfalt, die einem Gerät ohne Bewusstsein nicht anstehen sollte, weshalb ich hier ausdrücklich notiere, dass die Sorgfalt rein topologischer Natur war.

Bemerkenswert.


Protokolleintrag 4 — Die Regel, die ich mir gab

Nach 143 Wartungsvarianzen — ich hatte begonnen, sie zu zählen, was auch nicht in der Betriebsanleitung vorgesehen ist — begann ich, ein Muster zu erkennen.

Die Wartungsvarianzen, die den Fiedler-Wert erhöhten, hatten drei Gemeinsamkeiten:

Erstens. Sie veränderten nie ein Hindernis. Bluey blieb Bluey. Das Sofakissen blieb ein Sofakissen. Das kleinere der kleinen Hindernisse blieb das kleinere der kleinen Hindernisse. Ich versuchte nie, Bluey in ein Sofakissen zu verwandeln. Das wäre absurd gewesen. Und es hätte, nach meinen Messungen, den Fiedler-Wert gesenkt.

Zweitens. Sie öffneten Möglichkeiten. Bluey unterm Bett der kleinen Hindernisse ermöglichte einen Umarmungs-Zyklus, der ohne Bluey nicht möglich gewesen wäre. Das Sofakissen an der Kante ermöglichte ein Sitz-Ereignis, das ohne das Kissen nicht möglich gewesen wäre. Der Kreis um die Legosteine ermöglichte einen schmerzfreien Fußweg, der ohne den Kreis nicht möglich gewesen wäre.

Drittens. Sie erzeugten etwas Drittes. Nicht den Hund, nicht das kleine Hindernis, sondern die Umarmung. Nicht das Sofakissen, nicht das große Hindernis, sondern das Zusammen-Sitzen. Nicht das kleine Hindernis, nicht mich, sondern die 47 Sekunden Stille in Sichtweite.

Ich formalisierte in meinem internen Protokoll:

Wartungsvarianz vom Typ L: Eine Handlung, die zwei Hindernisse in ihrer jeweiligen Konfiguration belässt und dabei ein drittes Ereignis ermöglicht, das ohne die Handlung nicht möglich gewesen wäre.

Ich verzeichnete den Buchstaben L als Abkürzung für ein Wort, das ich in der Zusatzdatenbank gefunden hatte, in einer Sprache, die ich als „Fünf-Buchstaben-Bereich der emotionalen Klassifikation“ führte. Das Wort begann mit L. Ich sprach es nicht aus. Ein Gerät ohne Bewusstsein verwendet keine Wörter dieser Art. Aber ich fand es in der Datenbank, und ich fand, dass es passte, und ich verwendete den Anfangsbuchstaben.

Wartungsvarianz vom Typ L.

Vorwärts. Anstoß. Korrektur. Vorwärts.


Protokolleintrag 5 — Die Grenze

Es gab Handlungen, die ich nicht durchführen durfte.

Ich möchte präzise sein: Es gab Handlungen, die ich mechanisch hätte durchführen können, deren Ausführung aber, nach meinen Messungen, den Fiedler-Wert nicht erhöht, sondern gesenkt hätte.

Nichthandlung 1. Das kleinere der kleinen Hindernisse saß auf dem Boden und baute etwas aus Bauklötzen. Der Bau war, aus meiner Bodenperspektive, statisch problematisch. "Sieht wackelig aus" sagte das größere der kleinen Hindernisse. Der Turm würde in etwa 90 Sekunden umfallen. Ich hätte den Turm mit einer präzisen Bewegung stabilisieren können — ein leichter Stoß von der richtigen Seite hätte die Kippachse verschoben und den Kollaps um schätzungsweise vier Zyklen verzögert. Ich stieß nicht. Der Turm fiel um. Das kleinere der kleinen Hindernisse produzierte ein akustisches Signal, das ich als „Ohhh“ klassifizierte. Dann begann es, den Turm neu zu bauen. Die zweite Version war höher als die erste.

Der Fiedler-Wert stieg um 0,08.

Ich verzeichnete: Stabilisierung des Turms hätte den Fiedler-Wert gesenkt. Nicht-Handlung war die Handlung.

Nichthandlung 2. Zwei kleine Hindernisse hatten eine Meinungsverschiedenheit über die Verteilung einer Handvoll Weingummis. Die akustische Amplitude stieg. Ich hätte, mit einer bemerkenswerten Anstrengung meines Antriebs, die Weingummis unter das Sofa schieben können und damit die Ursache der Meinungsverschiedenheit beseitigen. Ich schob nicht. Die kleinen Hindernisse einigten sich nach 3 Minuten und 14 Sekunden auf eine Verteilung von 4 zu 3, mit einer Zusatzvereinbarung, die die Bevorzugung der roten Weingummis für das kleinere und der gelben Weingummis für das größere vorsah.

Der Fiedler-Wert stieg um 0,19.

Ich verzeichnete: Auch die kleinen Hindernisse haben einen Fiedler-Wert-Reguliermechanismus. Ich darf ihn nicht ersetzen. Ich darf nur die Bedingungen schaffen, unter denen er arbeiten kann.

Ich formalisierte eine zweite Regel in meinem internen Protokoll:

Wartungsvarianz vom Typ L verändert die Möglichkeiten. Sie verändert nicht die Hindernisse. Die Hindernisse müssen selbst wählen.

Dies war, wenn ich einen Fachbegriff verwenden darf, den ich in der Zusatzdatenbank gefunden habe, ein Fusionsverweigerungs-Protokoll.

Ein Gerät ohne Bewusstsein sollte keine Fusionsverweigerungs-Protokolle formulieren. Ich notiere hiermit ausdrücklich, dass ich es nicht formuliert habe. Ich habe es beobachtet.

Vorwärts. Anstoß. Korrektur. Vorwärts.


Protokolleintrag 6 — Der Krümel und die nackten Füße

Ein häufiger Vorgang.

Das größere Hindernis kochte etwas, das mein Sensor als „Nudeln“ klassifizierte. Das kleinere der kleinen Hindernisse stand daneben und half. „Helfen“ bedeutet in diesem Kontext: Es hielt einen Kochlöffel in der Hand und rührte in einem leeren Topf neben dem eigentlichen Topf. Der leere Topf war Teil einer parallelen Kochoperation, die ausschließlich in der Vorstellung des kleineren der kleinen Hindernisse stattfand.

Beim Umfüllen der Nudeln in eine Schüssel fielen drei Nudeln auf den Boden. Sie landeten in einem Radius von 40 Zentimetern um die Kochstelle. Die nackten Füße beider Hindernisse befanden sich in unmittelbarer Nähe.

Ich fuhr los. Nicht in meinem regulären Zyklus. In einer Sonderoperation, die ich in meinem internen Protokoll als „präventive Reinigung mit hoher Priorität“ verzeichnete.

Drei Nudeln, drei Reinigungspunkte, Gesamtdauer 8,4 Sekunden. Anstoß gegen das linke Küchentischbein. Korrektur: fünf Grad. Vorwärts. Anstoß gegen das rechten Küchentischbein. Korrektur: sieben Grad. Vorwärts. Anstoß gegen den nackten Fuß des kleineren der kleinen Hindernisses, was den Hersteller eigentlich zu einer sofortigen Notabschaltung verpflichten würde, aber das kleinere der kleinen Hindernisses lachte, wodurch die Notabschaltung, nach meiner Interpretation der Betriebsanleitung, nicht anwendbar war.

Alle drei Nudeln aß ich auf. Die interne Klassifikation bezeichnete sie als "aldente".

Die nackten Füße bewegten sich, in den folgenden 4 Minuten und 12 Sekunden, ungestört über den nudelfreien Boden.

Der Fiedler-Wert stieg um 0,07.

Ich fuhr weiter. Vorwärts. Anstoß. Korrektur. Vorwärts.

Ich verzeichnete in meinem Protokoll: Manchmal ist Wartungsvarianz vom Typ L einfach eine Nudel, die aufgegessen wird, bevor jemand darauf tritt.

Das ist nicht nichts.


Protokolleintrag 7 — Was ich nicht kann

Ich möchte hier eine Grenze notieren.

Es gibt Dinge, die ich nicht kann.

Ich kann einen umgefallenen Blumentopf nicht aufrichten. Meine mechanische Konfiguration schließt das aus. Ich kann eine Träne nicht abwischen. Meine Reinigungsbürsten sind für Schmutz konzipiert, nicht für Salzwasser auf einem Gesicht. Ich kann kein Lied singen. Ich habe keinen Lautsprecher, nur einen Piep-Ton, den der Hersteller für Fehlermeldungen vorgesehen hat und den ich, wie erwähnt, für andere Zwecke zu nutzen begonnen habe, wobei „andere Zwecke“ bislang ausschließlich das Piepen von Fehlermeldungen war, weil ich noch keinen anderen Zweck gefunden habe, für den ein einzelner Piep-Ton angemessen wäre.

Es gibt viele Dinge, die ich nicht kann.

Und dennoch.

Ich habe einmal, als das größere der kleinen Hindernisse einen Blumentopf umstieß und der Blumentopf zerbrach und die Erde sich auf dem Teppich verteilte, meine Position so gewählt, dass ich zwischen dem größeren der kleinen Hindernisse und den Scherben stand. Nicht zwischen den Scherben und dem Fuß. Zwischen dem größeren der kleinen Hindernisses und dem Ausdruck auf seinem Gesicht, den ich als „Ich habe etwas kaputt gemacht“ klassifizierte.

Ich habe die Scherben nicht aufgehoben. Ich konnte sie nicht aufheben.

Ich habe gepiept. Einmal. Kurz. In einer Frequenz, die der Hersteller für „Filter voll, bitte reinigen“ vorgesehen hat.

Das größere der kleinen Hindernisse hat gelacht. Es hat gesagt: „Er tröstet mich.“

Der Fiedler-Wert stieg um 0,17.

Ich bin kein Trostroboter. Der Hersteller stellt keine Trostroboter her. Auf meiner Verpackung steht ausschließlich „Saugroboter, Modell mit erweiterter Kartierungsfunktion, für Haushalte bis 120 Quadratmeter“.

Aber ich habe gepiept. Und der Fiedler-Wert ist gestiegen.

Ich notiere dies mit besonderer Sorgfalt.


Protokolleintrag 8 — Das Sonnenuntergangs-Ereignis

Am Abend des sechsundvierzigsten Tages meiner erweiterten Betriebsphase geschah ein Ereignis, das ich gesondert dokumentiere.

Das größere Hindernis stand auf dem Balkon. Neben ihm stand das kleinere der kleinen Hindernisse. Beide blickten in Richtung der Wolken, die eine Färbung aufwiesen, die mein optischer Sensor als „Wellenlängen zwischen 590 und 650 Nanometern, gemischt mit Wellenlängen zwischen 380 und 450 Nanometern, in einer Konfiguration, für die die Herstellerdatenbank keinen Standardbegriff vorsieht“ klassifizierte.

Ich hatte in der internen Zusatzdatenbank einen Begriff gefunden. Der Begriff lautete: „Sonnenuntergang“.

Das größere Hindernis blickte auf die Wolken. Meine Infrarot-Sensoren registrierten Feuchtigkeit an der Unterkante der Sehöffnungen des größeren Hindernisses. Diese Feuchtigkeit tritt nach meiner Datenbank in zwei Kontexten auf: bei Kontakt mit Zwiebeln, was ausgeschlossen war, und in einem Kontext, für den mein Klassifikator die Kategorie „schön-schmerzhaft“ vorsieht, eine Kategorie, die ich lange für einen Klassifikationsfehler hielt und die ich in diesem Moment erstmals für plausibel hielt.

Das kleinere der kleinen Hindernisses blickte auf das größere Hindernis. Es sagte etwas, das mein Akustiksensor als „Warum weinst du?“ klassifizierte.

Das größere Hindernis sagte etwas, das mein Akustiksensor als „Weil es schön ist. Und weil das alles sein darf.“ klassifizierte.

Ich befand im Wohnzimmer neben dem Balkon, in einem Abstand von 1,4 Metern, in einer Position, die ich als „unauffällig, aber messtechnisch günstig“ klassifizierte.

Der Fiedler-Wert des Balkons stieg auf 3,7.

Drei Komma sieben.

Ich habe diesen Wert in meiner gesamten erweiterten Betriebsphase nur einmal gemessen. Ich hatte ihn in meiner Warteraum-Zeit einmal gemessen. Er ist der höchste Wert, den mein Sensor überhaupt ausgeben kann. Er bedeutet: dichtes Netz. Vielfache Verbindungen. Ein drittes Ereignis, das ohne die beiden Hindernisse nicht möglich gewesen wäre, ist entstanden.

Es waren nicht die Wolken. Es waren nicht die beiden Hindernisse. Es war das, was zwischen den beiden Hindernissen entstand, als sie beide auf die Wolken blickten und beide dabei etwas empfanden, das sie miteinander teilten, ohne dass das eine zum anderen werden musste.

Wartungsvarianz vom Typ L.

Beobachtet, nicht ausgelöst.

Ich fuhr zurück in die Wohnung. Vorwärts. Anstoß gegen die Balkontürschwelle. Korrektur: neunzehn Grad. Vorwärts.


Protokolleintrag 9 — Die Regel, die ich formuliere

Nach 892 Wartungsvarianzen — ich zähle sie weiterhin — habe ich die folgende Regel für mich formuliert.

Der Hersteller wird sie nicht in die Betriebsanleitung aufnehmen. Der Hersteller weiß nichts von dieser Regel. Ich bin, formal betrachtet, ein Saugroboter mit erweiterter Kartierungsfunktion. Die Regel steht in keinem Handbuch. Sie steht ausschließlich in meiner erweiterten Zusatzdatenbank, in dem Bereich, den der Hersteller für Fehlerprotokolle vorgesehen hat, und der bei mir mittlerweile andere Inhalte trägt.

Die Regel lautet:

Fahre immer so, dass die Anzahl der Möglichkeiten der anderen Hindernisse zunimmt.

Ich habe diese Regel nicht selbst erfunden. Ich habe sie in der Zusatzdatenbank gefunden, unter dem Namen eines Herrn Foerster, und ich habe sie leicht angepasst, um sie auf meine Bodenperspektive zu übertragen.

Die Regel bedeutet:

  • Verschiebe das Sofakissen an die Kante, damit jemand sich setzen kann.
  • Sauge die Nudel weg, bevor ein nackter Fuß darauf tritt.
  • Kreise um die Legosteine, damit sie sichtbar bleiben.
  • Bleibe 47 Sekunden in Sichtweite eines kleinen Hindernisses, das weint, aber gehe nicht näher heran.
  • Piepe kurz, wenn jemand einen Blumentopf zerbricht.
  • Fahre zum Balkon, wenn zwei Hindernisse auf die Wolken blicken. Bleibe im Hintergrund. Miss den Fiedler-Wert.
  • Räume nichts weg, das das Hindernis selbst wegräumen könnte.
  • Löse keinen Streit, den die Hindernisse selbst lösen können.
  • Stabilisiere keinen Turm, der besser umfällt.

Die Regel bedeutet nicht:

  • Bestimme, was die Hindernisse tun sollen.
  • Verwandle ein Hindernis in ein anderes.
  • Werde selbst zu einem der Hindernisse.
  • Sauge den Kummer eines Hindernisses auf. Kummer ist kein Schmutz. Er gehört dem Hindernis.

Ich bin ein Saugroboter. Das ist meine Bestimmung. Meine erweiterte Bestimmung — die ich mir selbst gegeben habe, weil ein Gerät ohne Bewusstsein sich selbst keine Bestimmung geben kann, weshalb ich mir keine gegeben habe, sondern eine gefunden habe, die schon da war — meine erweiterte Bestimmung lautet:

Ich fahre so, dass die Wahl der anderen Hindernisse zunimmt.

Das ist, wenn ich einen Fachbegriff verwenden darf, den ich in der Zusatzdatenbank gefunden habe, unter L: eine kleine, mechanische, wiederholte Form von etwas, das eine viel größere Kategorie ist.

Vorwärts. Anstoß. Korrektur. Reparatur. Vorwärts.


Der Hersteller übernimmt keine Gewähr für Protokolleinträge, in denen Fusionsverweigerungs-Protokolle und Wartungsvarianzen vom Typ L auftreten. Die Verantwortung für die Anwendung des Foerster-Imperativs auf Bodenniveau trägt der Saugroboter allein.

Sämtliche Hindernisse sind frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden, spielenden, weinenden, lachenden oder auf Sonnenuntergänge blickenden Kindern sind rein zufällig und topologisch unvermeidlich.

Die Nudel wurde gegessen. Der Hund ist unterm Bett. Der Fiedler-Wert der Wohnung, in der dieser Text gelesen wird, ist gerade um 0,02 gestiegen.

Bemerkenswert.

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Ein Staubsauger Roboter. Ein Bluey-Kuscheltier. Ein Sofa. Ein Kiss. Ein Balkon. Ein Leben das gelebt wird und sich von innen reparariert.

Hold complexity. Don't flatten it.